Die Montagsfrage #20 — Lyrik: ausgedient oder am aufblühen?

Scan (verschoben)

Und mit diesem Montag im Januar habe nicht nur ich die 20. Montagsfrage geschafft, sondern meine Klausuren auch mich. Beziehungsweise, eigentlich ist das nicht gänzlich wahr. Noch sind die Klausuren ja nicht vorüber — man könnte also durchaus behaupten, dass mein akademisches Dasein noch voll und ganz dabei ist, mich zu schaffen. Man kann es allerdings auch positiv sehen. Ich brüte gerade eine Erkältung aus, mein linkes Ohr tut weh, habe heute dazu noch eine lange Bahnreise vor mir und als Zwischenbeschäftigung ein sehr langes Kapitel, mit all den Dingen, von denen man nie gedacht hätte, dass man sie je über Serotonin wissen wollen würde. Bis Freitag kann es also nur noch besser werden. Das ist jetzt das Positive.

Außerdem habe ich jetzt ausdrücklich keine Lust mehr auf öffentliche Verkehrsmittel für Langstreckenreisen. Flugzeuge, Busse und die deutsche Bahn können mir bis Mitte März jetzt erst mal gestohlen bleiben. Ich habe innerhalb der letzten Woche so viele Kilometer zurückgelegt, jetzt wird an einem Ort geblieben. Mit meinem Smoothie-Maker. Mit meiner Teesammlung. Und vor allem mit dem gut ausgebauten niederländischen Fahrradweg-System. Das tröstet ein bisschen darüber hinweg, dass sich die gemeinsame Zeit mit der Familie jetzt wieder auf Videochats begrenzt. Aber wie war das? Positiv bleiben, positiv bleiben.

So, damit jetzt aber genug von mir (es musste ein bisschen gemeckert werden, bei Ohrenschmerzen werde ich immer furchtbar unleidig) und zum eigentlichen Grund dieses Blogposts, namentlich: Der Montagsfrage.

Lyrik: ausgedient oder am aufblühen?

Ja, meine Lieben, heute reden wir einmal über das Stiefkind der Schulliteraturgattungen.  Der Unmut meiner Klassenkameraden (und, zugegeben, meiner selbst) klingt mir im Ohr als wäre es erst gestern gewesen. Lyrik-Interpretation. Gedichte. Versmaß bestimmen. Irgh. Kann ich bis heute nicht (also das Versmaß — und im Allgemeinen die Gedichtinterpretation). Was will man machen?

Mit Gedichten werden viele während der Schulzeit nicht wirklich warm — und da sich bei so manch einem nach dem Schulabschluss literarisch nicht mehr viel bewegt, darf man fragen: Stirbt die Lyrik aus? In Zeiten, in denen nicht mal mehr die gute alte Prosa so gekauft wird, wie noch vor zwanzig Jahren — bleibt da noch Platz für den Gedichtband?

Ich sage ja. Und das nicht nur, weil ich Gedichte sehr gern habe (abgesehen von ihren Interpretationen, ich habe wirklich überhaupt kein Gefühl für Silbenbetonung und was jetzt genau welchen lateinischen Namen bekommt). Lord Byron mag zwar schon seit einer Weile unter der Erde liegen, aber in Zeiten von Poetry Slam, Rapmusicals (Hamilton) und Instagram-Poetry ist das Gedicht — in moderner Form, zugegeben — lebendig. Ganz davon abgesehen, dass man über Spotify, YouTube oder das gute alte Radio Dauerzugriff auf Lyrik in Gestalt jedweden Liedes hat.

Die Lyrik, in diesem Sinne, erlebt also momentan eine Blüte. Sie wird wieder modern, dank Rupi Kaur, Lang Leav, Nikita Gill und wie die Damen der Social Media Poesie alle so heißen. Mit ihnen — ob man ihre Arbeit nun schätzt oder nicht — hat der Gedichtband es wieder in den Mainstream geschafft. Und, dank moderner Medien, ist die Lyrik daran nicht einmal mehr gebunden. Gut oder schlecht? Schwer zu sagen. Aber quantitativ ohne Frage.

Ob es nun gerade Mainstream ist einen Fünfzeiler auf Instagram zu veröffentlichen oder nicht, ist mir persönlich ziemlich egal. Ich verbringe — obwohl mich Lyrik-Interpretationen in der Schule so gequält haben — aus purer Sympathie mit der Gattung immer einen Teil meines Aufenthalts im Buchladen vor dem Regal mit den Gedichtbänden. Bin ich ein Fan von Rupi Kaur und Co.? Nein, eher nicht. Da bin ich einfach Nostalgiker (Stichwort: Byron. Shakespeare. Heine. Hach, es gibt ja so viele). Aber die Lyrik, ein Jahr alt oder einhundert, wird wohl immer ein kleiner Favorit meinerseits bleiben — und wenn andere sie durch zeitgenössische Dichter(innen) statt durch Goethe für sich entdecken, ist das doch immer ein Gewinn fürs Ganze.

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Noch nicht genug von der Montagsfrage? Hier geht es zur Montagsfrage der letzten Woche und hier zur Liste aller auf diesem Blog erschienenen Montagsfragen.

  1. Torsten’s Bücherecke
  2. Emma Escamilla
  3. Der Büchernarr
  4. Pineapples Booknook
  5. Buchweiser
  6. Mein Senf für die Welt
  7. Anjas Druckbuchstaben
  8. Literaturgarten
  9. Sommerleses Bücherkiste
  10. wortmagieblog
  11. Wörterkatze
  12. Romanfresser.de
  13. Lieschen Liest
  14. Wordworld
  15. Medienjournal
  16. Andreas Kück Leselust
  17. Kiras kleine Leseecke
  18. nellindreams
  19. Minor Herba
  20. Buchpfote
  21. Bücherlogie
  22. Wortgestalten
  23. Lucinda im Wunderland
  24. Vanessas Literaturblog

37 Gedanken zu “Die Montagsfrage #20 — Lyrik: ausgedient oder am aufblühen?

  1. Pingback: Montagsfrage #20: Lyrik - Der Büchernarr

  2. Pingback: Montagsfrage: Lyrik – tot oder nicht tot, das ist hier die Frage? » Mein Senf für die Welt

    • Moin Barbara!

      Vielen Dank für „den Tritt in den Hintern“ mit Deinem Hinweis auf den Gedichtband (…der mit dem zeitlichen Überblick über die deutsche Lyrik). Ich habe einen ähnlichen Band noch im Regal stehen, den ich noch nicht beachtet habe: Das hole ich jetzt nach!

      Lieben Gruß
      Andreas

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  3. Huhu Antonia,

    eine interessante Frage, über die ich die ganze Nacht nachgedacht habe, um sie heute beantworten zu können. In meinem Leben hat Lyrik aktuell keinen Platz. Ich bin noch zu klein. Ich schaffe es nicht, Gedichte um ihrer selbst willen zu lesen, sondern will sie immer gleich auseinandernehmen, was im Alltag einfach nicht möglich ist. Aber ich glaube daran, dass sich das ändern wird, sobald ich groß bin. Die Zeit für Lyrik wird kommen. 😉

    Montagsfrage auf dem wortmagieblog
    Viele liebe Grüße,
    Elli

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  4. Hallöchen,

    direkt nach zwei unseligen Stunden Deutsch Unterricht über die Naturlyrik des 19. und 20. Jahrhunderts (Stichworte: Symbolismus, Frührealismus, Rilke etc) trifft die heutige Montagsfrage über das „Stiefkind der Schulliteraturgattungen“ (wie du die Lyrik so nett betitelt hast) einen wunden Punkt. Trotzdem habe ich mir die größte Müge gegeben, die Frage nicht mit pessimistischem Einschlag zu beantworten. Hier mein Beitrag:

    https://w0rdw0rld.blogspot.com/2019/01/montagsfrage-140119.html

    Liebe Grüße
    Sophia

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  5. Pingback: Montagsfrage: Lyrik | Unkraut vergeht nicht….oder doch?

  6. Pingback: Montagsfrage #20 – Lyrik: ausgedient oder am Aufblühen? | nellindreams

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