Die Montagsfrage #23 – Was ist für dich die Art von (Haupt-)Charakter, die es öfter in Büchern geben sollte?

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Wie ihr euch vorstellen könnt, geht es bei mir privat momentan drunter und drüber, so zwischen Familiendramen, Semesterbeginn, Umzug und sonstigen Aktivitäten. Ich möchte mich deshalb (wenn auch ein wenig verspätet) bei allen bedanken, die mir letzte Woche auf die ein oder andere Weise ihre Kondolenzen haben zukommen lassen. Auch wenn ich noch keine Gelegenheit hatte, jedem einzeln zu antworten, versuche ich das in der kommenden Woche nachzuholen. Ich habe sie alle gelesen und schätze eure Anteilnahme.

Davon abgesehen möchte ich wieder ein wenig Normalität bei der Montagsfrage einkehren lassen und werde sie diese Woche auch wieder beantworten. Es ist gleichermaßen sehr gemein und sehr beruhigend, dass die Welt sich immer weiter dreht, egal, was gestern oder vorgestern passiert ist. Gemein, weil man nach manchen Tagen eigentlich gern stoppen und eine Weile aussteigen will — und beruhigend, weil man sich, wenn schon nicht auf Vieles, wenigstens auf das verlassen kann.

Was ist für dich die Art von (Haupt-)Charakter, die es öfter in Büchern geben sollte?

Die Antihelden, ganz einfach. An dieser Stelle sollte ich erwähnen, dass Antihelden niemals Antagonisten, also meist durchaus nicht die Bösewichte einer Geschichte sind. Antihelden zeichnen sich stattdessen durch anti-heroische Eigenschaften aus, also mehr durch Fehler und Makel, statt, wie die Helden, eine moralische/tugendhafte Vorbildfunktion zu besitzen. (Wikipedia erklärt das übrigens auch ganz gut // klick)

Ich finde das interessant — und in Büchern erstrebenswert — weil Antihelden Figuren sind, mit denen ich mich besser identifizieren kann, eben weil sie nicht immer alles richtig machen und scheitern und Baustellen haben, an denen sie arbeiten müssen. Ich möchte mit einem Charakter sympathisieren, aber nicht grundsätzlich immer einer Meinung mit ihm sein. Ich bin ja auch nicht immer einer Meinung mit meinen Freunden, meiner Familie — oder mir selbst. Eben weil sich jeder dann und wann einen Fehltritt erlaubt. Was, uns genau genommen, nicht nur menschlich, sondern letztendlich auch besser macht.

Deshalb reizen mich Charaktere, die nicht perfekt (oder sehr, sehr nah dran) starten, sondern erst ihren Weg finden müssen. Ich kenne persönlich keinen einzelnen Menschen, der nicht schon einmal selbst nach einem Weg gesucht hat und dabei zumindest ein bisschen verzweifelt ist. Und wenn Bücher es hinbekommen, diesen Weg des — nennen wir die Sache einfach mal beim Namen — Erwachsen-Werdens auf fiktive Personen mit ihren fiktiven Wegen zu projizieren, haben sie meiner Meinung nach schon viel erreicht. Denn es tut jedem gut, nicht allein mit dieser Herausforderung zu sein.

Es ist mir nicht sonderlich wichtig, welche Nationalität, welches Geschlecht oder welches Alter ein Buchcharakter besitzt, solang es sich natürlich und nicht erzwungen anfühlt. Wichtiger ist mir, dass die Geschichte eines Charakters ehrlich ist (auch wenn vollkommen erfunden) — und Antihelden repräsentieren meiner Meinung nach genau das. Sie fangen die Realität ein bisschen klarer ein und sind meist die vielschichtigeren und wacheren Charaktere, mit denen man fühlt und leidet und lacht. Und wenn das keine gute Lesegesellschaft ist, dann weiß ich auch nicht.

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Noch nicht genug von der Montagsfrage? Hier geht es zur Montagsfrage der letzten Woche und hier zur Liste aller auf diesem Blog erschienenen Montagsfragen.