Die Montagsfrage #74 – Welches Buch hast du zuletzt beendet und wäre es eine gute Quarantäne-Lektüre?

So. Da bin ich wieder. Nun auch ganz offiziell zurück von meiner einwöchentlichen Pause, auch heute wieder mit einer neuen Montagsfrage. Ganz strikt genommen, habe ich ja bereits heute Morgen (bzw. heute Nacht) kurz vor eins meinen ersten richtigen Beitrag seit der letzten Montagsfrage veröffentlicht. Eigentlich bin ich also in diesem Sinne nun schon seit mindestens sechs Stunden zurück aus der Pause, aber da die Wenigsten von euch wahrscheinlich den letzten Beitrag vor diesem hier gesehen haben (sehen werden?) (Was ist deutsche Grammatik?), ist das wohl jetzt mein offizielles Hallo zurück. (Notiz an mich selbst: Ich muss dringend aufhören zweitausend Wörter-lange Beiträge um ein Uhr Montag Morgens zu veröffentlichen, wenn kein Mensch sie sieht.)

Ich habe mich zu Beginn des Beitrages, den ich bezüglich der Corona-Situation und dem Aufruf zur Rettung des deutschen Buchhandels diese Nacht publik gemacht habe, bereits für all eure lieben Nachrichten und Beileidsbekundungen bedankt. Im Übrigen auch wesentlich ausführlicher und besser formuliert, als mein schlafdepriviertes Gehirn es gerade zustande bringen kann. (Kennt ihr das Gefühl, leer-geschrieben zu sein? Ich habe das ganz oft, wenn ich einen sehr langen Manuskript-Tag hatte und im übrigen auch nach so einem langen Beitrag. Aber er musste ja die Nacht noch vor der Montagsfrage fertig werden. Warum auch immer. Weitere Notiz an mich selbst: Dringend aufhören so kurz vor der Montagsfrage Beiträge zu verfassen, die mich leer-schreiben. Diese ekstatischen Zustände des Blogger-Daseins sind nichts für mich.)

Wie bereits vor der Klammer-Abweichung erwähnt, habe ich in meinem letzten Beitrag ausführlich Danke gesagt — hier ist im übrigen ein Link —, ich möchte mich aber an dieser Stelle noch einmal bei euch bedanken. Die Nachrichten, die mich erreicht haben, waren sehr lieb. Ich habe sie alle gelesen und alle sehr geschätzt, auch wenn ich mich letzte Woche nicht sehr danach gefühlt habe, auf sie zu antworten. (Ich hoffe, ihr versteht das. Ich möchte, um ehrlich zu sein, immer noch nicht gern viel über diese spezifische Sache sprechen, weshalb ich jetzt auch drei Absätze übers Danke-Sagen formuliert habe und über meine Angewohnheit lange Beiträge zu sein ungünstigen Zeiten zu veröffentlichen.) Alles in allem, darauf kann man es im Prinzip herunter brechen, hat es mich sehr gerührt, dass ihr so aufbauende Worte in einer für mich so vollkommen deprimierenden Situation gefunden habt. Danke. Es hat mich wirklich gerührt. Danke.

So, ich sehe schon, dass meine Montagsfragen-Antwort diese Woche wesentlich kürzer wird als diese Einleitung, aber sei es drum, ich möchte an dieser Stelle noch eine Frage stellen, bevor es mit der eigentlichen Frage dieser Woche losgeht: Kennt ihr so-genannte Lesenächte? Das Prinzip ist wie folgt: Der Blog, der die Lesenacht ausrichtet, veröffentlicht einen Beitrag zu einer bestimmten Uhrzeit — und dieser Beitrag wird mit stündlichen (oder halbstündigen) Fragen ergänzt, die sich auf das Buch, was man während dieser Lesenacht liest, beziehen. Diese Fragen werden dann von den Teilnehmer der Lesenacht auf ihren Blogs in ihren eigenen Beiträgen beantwortet. Ziel ist es im Prinzip, von, sagen wir mal 20.00 Uhr bis 24.00 Uhr gemeinsam zu lesen — jeder, was er will — und sich dabei zu besuchen.

Ich habe an diesen Lesenächten recht regelmäßig teilgenommen als ich noch auf Blogspot gebloggt habe und sie damals geliebt. Momentan wäre es genau die Art von Ablenkung, die ich gut gebrauchen könnte — und ich dachte, vielleicht wäre es auch eine passende Quarantäne/Selbst-Isoluations-Aktivität, an der ihr Interesse haben könntet. Gäbe es jemanden unter euch, der an so einer Lesenacht teilnehmen wollen würde? Lasst es mich wissen, dann würde ich nämlich eventuell diesen Freitag oder Samstag eine ausrichten.

Aber jetzt Schluss mit dieser längsten Einleitung der Weltgeschichte und zurück zum eigentlichen Thema dieses Beitrages: Der dieswöchentlichen Montagsfrage.

Welches Buch hast du zuletzt beendet und wäre es eine gute Quarantäne-Lektüre?

Nach diesem einwöchentlichen Hiatus, steigen wir einfach mal mit einer ganz simplen Frage ein. Was habe ich zuletzt gelesen? Das Blinde Licht: Irrfahrten der Wissenschaft, geschrieben von Benjamín Labatut und erst Anfang diesen März in der deutschen Übersetzung im Suhrkamp-Verlag erschienen. Ich habe es letzte Woche auf Instagram gesehen und in einer ziemlich spontanen Entscheidung einfach bestellt — und dann innerhalb von zwei Tagen vollkommen verschlungen. Wäre es also eine gute Quarantäne-Lektüre? Ja! Es wäre sogar eine ganz ausgezeichnete Quarantäne-Lektüre!

Das Buch erzählt in vier Geschichten von der Geschichte vier großer wissenschaftlicher Entdeckungen (vor allem mit Bezug auf die Zeit um 1920 und 1930), die ihre Entdecker auf verschiedene Art und Weise unglücklich gemacht haben. Das hört sich im Übrigen jetzt wie ein sehr deprimierendes Buch an — was es allerdings überhaupt nicht ist. Ich fand es alles zwischen unterhaltsam, informativ, spannend, einprägsam, augenöffnend und einfach interessant. Zum Nachdenken anregend, ja, aber nicht deprimierend. (Wer wirklich ein deprimierendes Buch lesen möchte, dem sei Milan Kunderas Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins ans Herz gelegt — das ist ein deprimierendes Buch. Aber auch ein sehr gutes.)

Das Buch war darüberhinaus auch ein unheimlich flüssiger Lesegenuss für ein Sachbuch, das sich mit traurigen Wissenschaftlern und Atombomben auseinandersetzt. Es hatte generell, sowohl für ein Sachbuch im spezifischen als auch für ein Buch im allgemeinen, einen sehr angenehmen Lesefluss. Also sowohl der Autor als auch der Übersetzer: Hut ab. Es war wirklich ein Genuss. Von der ersten Seite bis zur letzen. Und ich empfehle es seit praktisch schon seit Mitte des ersten Kapitels an alle, die es hören wollen — und im übrigen auch an alle, die es nicht hören wollen.

Es ist momentan in seiner gebundenen Form noch recht teuer (wir reden über 20€), aber, erstens, ist es jeden Cent wert und, zweitens, wen das interessiert, hat es wirklich ein unheimlich schönes Cover-Design. Man kann natürlich an dieser Stelle auf eine kostengünstigere Paperback-Version warten — wann die allerdings kommt, weiß ich nicht. Und wieso warten, wenn dieses Buch gerade jetzt noch im heimischen Bücherregal fehlt? Das ist im Prinzip ein schnellstmöglich zu korrigierender Zustand. Vorausgesetzt, man interessiert sich für Geschichte und Wissenschaft. Oder einfach nur für gute Bücher.

Geschmäcker sind natürlich immer verschieden — deshalb lest ruhig mal online in die Leseprobe rein, bevor ihr es beim Verlag oder beim lokalen Buchhändler um die Ecke online bestellt (weil Quarantäne, aber eben immer noch Wille, lokale Läden zu unterstützen). Ich kann es in jedem Fall empfehlen — mir hat es wirklich gut gefallen. Es ist ein Sachbuch, das sich überhaupt nicht trocken liest. Weshalb ich denke, dass es durchaus massentauglich wäre. Informativ, eben, eines dieser Bücher über Physik, Mathematik und Chemie, von dem jeder gern behaupten wollen würde, er hätte es nicht nur erworben, sondern auch gelesen — und bei dem Letzteres überhaupt nicht schwer fällt. Ganz im Gegenteil. Hoher Lesegenuss. Und voll gepackt mit Wissen auf seinen 180 Seiten. In diesem Sinne also: Wirklich, wo ist die Spiegel-Bestsellerliste, wenn man sie mal braucht? Dieses Buch gehört zweifelsfrei drauf.

Aber wie sieht das bei euch aus? Welches Buch habt ihr als Letztes ausgelesen und eignet es sich genauso zur Quarantäne-Lektüre wie das meine? Lasst es mich in eurem eigenen Beitrag oder in den Kommentaren wissen. Ich freu mich drauf!

Ihr wollt euren Beitrag teilen? Um ihn verlinken zu lassen, kommentiert bitte mit einem Link unter diesen Post. Ich verlinke anschließend in chronologischer (Kommentar-)Reihenfolge. Das Banner darf natürlich kopiert werden. 

Noch nicht genug von der Montagsfrage? Hier geht es zur Montagsfrage der letzten Woche und hier zur Liste aller auf diesem Blog erschienenen Montagsfragen.