Die Montagsfrage #114 – Gibt es ein Buch/Bücher, das du richtiggehend hasst? (Aequitas et Veritas)

Hallo meine Lieben und willkommen zurück zu einer weiteren Woche und damit – ihr ahnt es bereits – einer weiteren Montagsfrage. Bei mir nimmt die Uni momentan (beziehungsweise eigentlich wie immer) recht viel Zeit und Energie in Anspruch, weil wir ab dieser Woche bereits wieder offiziell in der Examensphase sind. (Und wer sich an dieser Stelle fragen sollte: Aber warte, Antonia, hattest du nicht erst letztens Examensphase? Ja. Ja, ganz genau. Das ist ja das grundlegende Stress-Problem im Moment! Ich sag weiter nichts.) (Um mal ins Verhältnis zu setzen, wie müde ich gerade bin: Ich habe eben bei einer Twitter-Umfrage der Zeit bei „Für welche Koalition sollte sich Winfried Kretschmann in Baden-Württemberg entscheiden?“ Grün-Schwarz statt Ampel geklickt und ich weiß, das geht mir jetzt noch bestimmt bis zum Ende dieses Blogposts auf die Nerven.)

Ich hoffe in jedem Fall, dass ihr die letzten Tage über gut durch dieses Aprilwetter Mitte März gekommen seid. Bei uns hat es das Wochenende über so gestürmt, dass ich vor zwei Tagen fast von einem losgerissenen Sonnenschirm erfasst wurde. Das hat man davon, wenn man ein Mal das Haus verlässt. Ansonsten – fairer Weise – ist die letzten Wochen über allerdings wirklich nichts (nichts!) Interessantes in meinem Leben passiert. Also wenn hier niemand überproportional über die Second Demographic Transition theory gehyped ist, habe ich wirklich nichts zur generellen Unterhaltung beizutragen.

Umso schöner ist allerdings, dass heute wieder Montag ist und man zur Feier dieses Wochentages so schön über Bücher reden kann. Die heutige Montagsfrage kommt von Aequitas et Veritas und ich hoffe, ihr habt mindestens genauso viel Spaß bei ihrer Beantwortung wie ich:

Gibt es ein Buch/Bücher, das du richtiggehend hasst?

Ich benutze das Wort „hassen“ wirklich nicht leichtfertig. Vor allem nicht, wenn es um irgendeine Form von Kunst – und vor allem um Bücher – geht. Es gibt sicher einige Bücher, die mir nicht gefallen haben, aber es gibt wirklich nicht viele Bücher, die ich gelesen und wirklich gehasst habe. In erster Linie, weil ich generell ein glückliches Händchen mit Büchern besitze. Also selbst wenn ich gerade mal ein Buch lese, mit dem ich momentan nicht warm werde, liegt das meistens nicht daran, dass das Buch nicht zu mir passt oder gar schlecht ist und vielmehr daran, dass es gerade einfach nicht zu meiner Stimmung passt und später noch mal aufgenommen werden muss. (Ich warte immer noch auf die richtige Stimmung für The Master and Margarita und Der Nachtzirkus, weil mir beide Bücher beim Anlesen sehr gut gefallen haben, aber ich sie nicht das erste Mal zwischen Tür und Angel lesen will, sondern richtig genießen. Aber gut. Ende dieses Nebenkommentars.)

Es gibt allerdings ein Buch, das ich wirklich, wirklich, wirklich hasse. Nicht, weil es irgendetwas Furchtbares gemacht hat, sondern einfach, weil es richtig schlecht war und ich hasse, dass ein Buch, das so wenig zu bieten hat, überhaupt veröffentlicht wurde. Ich spreche von Mit Jeans in die Steinzeit von Wolfgang Kuhn, das ich genötigt wurde in der 6. Klasse für den Deutschunterricht zu lesen. Erfahrenere Leser dieses Blogs lesen hier nicht das erste Mal von diesem Buch, wenn es um Hassbücher geht, rege ich mich nämlich grundsätzlich über Mit Jeans in die Steinzeit auf. (Und auch wenn es nicht um Hassbücher geht, das Buch ist einfach schlecht, da darf man sich auch zwischendurch mal aufregen.)

Wir mussten damals – ich darf jetzt schon damals sagen, da diese ganze Geschichte bereits mehr als zehn Jahre her ist – dieses Buch so um die Frühlings/Sommerzeit lesen und dazu ein Lesetagebuch führen. Und dieses Lesetagebuch war wohl das einzige Mal in meinem Leben, dass ich eine unehrliche Rezension verfasst habe. Meine Deutschlehrerin damals war nämlich die Art von Person, die Schülern schlechte Noten gegeben hat, wenn sie ein Buch nicht mochten und das im Lesetagebuch auch ehrlich so geschrieben haben. (Sie war auch die Art von Person, die – da bin ich mir ziemlich sicher – das Buch selbst nicht gelesen hat.)

Also habe ich mich während schönstem Wetter in den besten meiner Jahre durch über 200 Seiten dieser vollkommen belanglosen, stumpfsinnigen und schlecht ausgeführten Verschwendung von Papier gequält und dabei irgendwie versucht, freundliche Worte für diesen literarischen Verkehrsunfall zu finden. Es war nicht leicht. Es war wirklich nicht leicht. Habe ich letztendlich trotzdem eine 1 auf mein erlogenes Lesetagebuch bekommen? Ja, absolut. Bin ich sonderlich stolz darauf. Nein, nicht wirklich. Im Nachhinein hätte ich es einfach auseinandernehmen sollen.

Das Problem mit diesem Buch ist im Prinzip, dass es vollkommen unnötig ist. Es füllt keine Lücke, die vor seiner Erscheinung im literarischen Betrieb da gewesen wäre. Es inspiriert auch nicht zu weiteren Fragen oder Ideen, die eventuell neue Lücken entstehen lassen. Wenn ein Zeitreisender die Veröffentlichung dieses Buches verhindern würde, es wäre wohl die einzige Sache, die keinerlei Domino-Effekt auslösen würde. Die Welt ohne dieses Buch wäre exakt so wie sie mit diesem Buch wäre. Und das – das – wird von einem großen deutschen Kinder- und Jugendbuchverlag herausgegeben. Und das – das – lesen manche Lehrer in ihren jüngeren Schulklassen. Nicht, weil jemand sie mit irgendeiner Art von Gewaltandrohung dazu genötigt wurden, sondern aus vollkommen freien Stücken. Es ist mir ein Rätsel.

Wieso veröffentlicht jemand eine Geschichte über Dreizehnjährige (die sich absolut nicht wie Dreizehnjährige verhalten), die Wandgemälde aus der Steinzeit finden, sich den Kopf anhauen und einen schlechten Traum über Steinzeitmenschen haben, nur um dann wieder aufzuwachen und festzustellen, dass überhaupt nichts passiert ist. Wieso schreibt jemand so etwas auf über 200 Seiten? Ich bin ja notorisch bekannt für meine langen Sätze und noch viel längeren Ausführungen. Mein Manuskript misst im Moment 150,000 Wörter und ich habe noch gut 50,000 zu schreiben bis ich an die Bearbeitung gehen kann und mein Gott, das bringt mich an manchen Tagen wirklich ins Schwitzen. Aber 200 Wörter über das? Über das? Das ist eine Geschichte, die ich im zarten Alter von 11 Jahren besser (und vor allem unterhaltsamer) hätte schreiben können – und das auf allerhöchstens zwanzig Normseiten. Und Gott, ich werde nie darüber fertig werden, dass irgendjemand irgendwann irgendwie einmal Geld mit dieser Publikation verdient hat.

Ich glaube, dieses Buch ist zum Teil dafür verantwortlich, dass ich immer noch ein flaues Gefühl der kriechenden Irrelevanz in die Magengrube kriege, wenn jemand den Süden Frankreichs erwähnt (wo dieses Buch spielt) – oder Prähistorie. Und dieses Buch ist zu mindestens 15% der Grund dafür, weshalb ich so bitter enttäuscht wäre, wenn mich Verlage mit meinem Manuskript irgendwann ablehnen würden. Weil wenn so etwas veröffentlicht werden kann. Herrgott, wenn so etwas verkauft werden kann. Dann – vollkommen unabhängig davon, dass mein Buch sowohl eine vollkommen andere Alters- als auch generelle Lesergruppe ansprechen wird – gibt es keine Entschuldigung dafür, dass mein Manuskript nicht veröffentlicht werden kann.

Und Gott, ich schwöre, der Autor ist auch noch ein evolutionärer Kreationist. Ich hasse dieses Buch.

Aber wie geht es euch? Habt ihr auch das ein oder andere Buch, das tiefe Gefühle der Wut in euch aufsteigen lassen? Lasst es mich wie immer unten in den Kommentaren und in euren eigenen Beiträgen wissen und habt – ganz natürlich – einen guten Rutsch in die neue Woche!

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