Die Montagsfrage #126 – Sind euch eher ständige Handlungswendungen oder eine logische Geschichte wichtig? (Torsten’s Bücherecke)

Hallo meine Lieben und willkommen zurück zu einer weiteren Woche und – ihr erahnt es bereits – einer weiteren Montagsfrage. Die letzte Woche hat sich (zumindest bei mir) wesentlich länger angefühlt als die Otto-Normal-Woche, mit der man es sonst so zu tun hat. Trotz Urlaub war privat einiges los, weshalb ich mich seit einigen Tagen dabei erwische, unter der Annahme zu sein, ich befände mich schon zwei Wochen im Urlaub und nicht erst eine. (Die Beurteilung darüber, ob das nun eher gut oder eher schlecht ist, steht noch aus.)

In jedem Fall freue ich mich auf die nächste Woche und das damit einhergehende Nichtstun der studienfreien Monate. Anders gesagt: Mein einiges momentanes Ziel ist momentan so unaufgeregte Wochen zu verleben, dass die einzigen Sätze, die ich während der wöchentlichen Montagsfrage-Einleitungen sagen kann „ich habe Buch X gelesen, Arbeit am Manuskript läuft gut und gestern gab es Nudelsalat und drei Stunden Mittagsschlaf“ sind. Man muss die langen Urlaube während des Studiums wirklich so lang auskosten, wie man kann.

Jetzt kommen wir allerdings erst einmal zum eigentlichen Thema dieses Beitrages: Der Montagsfrage. Die kommt diese Woche von Torsten von Torsten’s Bücherecke und lautet:

Sind euch eher ständige Handlungswendungen oder eine logische Geschichte wichtig? (Torsten’s Bücherecke)

Als Torsten die Frage vorgeschlagen hat, hat er zusätzlich den Kommentar „Nach meiner Erfahrung nach hat man öfter nur eins von beidem“ hinzugefügt. Und ja, ich stimme Torsten da vollkommen zu, viele Bücher schaffen höchstwahrscheinlich nur eins von beidem. Man denke zum Beispiel an ständige wechselnde Handlungswendungen in einem mittelmäßigen Thriller, bei dem die Logik fehlt oder – am anderen Ende des Spektrums – ein fein ausgeklügelter Roman, bei dem jede Handlung logisch Sinn macht, allerdings auch immer erst aufgebaut werden muss und deshalb eben manchmal auf sich warten lässt. Allerdings mag ich vor allem Bücher, die tatsächlich beides schaffen – also sowohl Langatmigkeit aus dem Weg gehen als auch einer logischen Entwicklung folgen. 

Wenn ich mich allerdings wirklich entscheiden müsste, wäre mir persönlich wahrscheinlich eine logische Geschichte wichtiger als ständige Handlungswendungen. Um ganz ehrlich zu sein mag ich Bücher, in denen nicht wirklich viel passiert sogar sehr gern, weil eine gute Geschichte zu schreiben, die nicht auf ständige Handlungswendungen gebaut ist, eine Kunst für sich ist. (Deshalb mag ich die Schuh-Bücher zum Beispiel auch so gern. Passiert dort wirklich permanent etwas? Nicht wirklich. Kann man die Geschichten trotzdem nicht aus der Hand legen und lesen ist fast meditativ und trotzdem nie langweilig? Absolut.)

Mich kann man also, anders formuliert, auch mit gut erzählten relativ unaufgeregten Alltags-Geschichten unterhalten – vor allem, wenn die Charaktere ein bisschen tiefgründiger sind und die Handlungen, die der Autor ihnen andichtet, sich natürlich anfühlen. (Was im Übrigen, wo wir schon mal dabei sind, nicht heißt, dass die Charaktere immer einer vollkommenen Logik entsprechend handeln. Nur, dass die Charaktere ihrer Persönlichkeit entsprechend handeln. Ein emotional instabiler Charakter handelt also emotional instabil – und deshalb oft entgegen jeder Logik – und das macht für ihn Sinn, weil er… nun ja… emotional instabil ist. Ihr versteht, was ich meine.)

Ich muss allerdings an dieser Stelle auch sagen, dass, ob nun eine logische Handlung oder ständige Handlungswendungen gerade wichtiger für mich sind, auch stark abhängig von meiner momentanen Lese-Laune (tolle Wortkombination) sind. Generell ziehe ich logische Handlungen und ausgeklügelte Geschichten natürlich viel Action vor (eben weil ich, jedenfalls meistens, so extrem viel Action gar nicht brauche, um eine Geschichte zu mögen). Ich hänge mich allerdings auch nicht an Logik-Fehlern auf (jedenfalls nicht allzu sehr).

Schlecht geschriebene Charaktere und faul geplottete Geschichten stören mich schon – allerdings vor allem, wenn ein Autor sich sehr ernst nimmt, vielleicht sogar noch eine große Plattform hat und sich dann nicht die Arbeit macht, eine logische Geschichte zu schreiben. Wenn jemand das auf einer Fanfiction-Seite macht – oder ein junger Autor, der gerade erst anfängt, Herrgott, kann man natürlich kritisieren, aber, erstens, lernen wir ja alle noch (und irgendwo muss immer angefangen werden) und, zweitens, ist ersteres kostenlos und da sollte man sich sowieso nicht so künstlich aufregen, wenn es sich nicht liest wie ein Buch, das durch eine professionelle Korrektur bei einem Verlag durchgegangen ist.

Und – ganz ehrlich – manchmal hat man eben auch einfach Lust auf eine Fanfiction, bei der einfach viel passiert, nicht alles logisch ist und über die man nach dem Lesen nicht noch Jahrelang nachdenken und über die tolle Plot-Struktur staunen muss. Nicht, dass es keine Fanfictions gibt, die nicht super logische und ausgeklügelte Handlungen haben und teilweise höhere Qualität als die originalen Werke, ich nenne Fanfictions an dieser Stelle nur als Beispiel, weil hier tendenziell oft viel passiert und nicht alles immer logisch abläuft. Gerade das macht allerdings auch ihren Reiz aus (und ihren, würde ich mal behaupten, ganz besonderen Charme). Es muss nur, das ist wahrscheinlich der Punkt, sein, was man erwartet hat, damit man nicht böse überrascht wird. 

Dasselbe gilt für Action-geladene Thriller oder irgendwelche Groschenromane. Erwarte ich den nächsten Kandidaten für den Pulitzerpreis, wenn ich mir so ein Buch an der Tankstätte zulege? Natürlich nicht! Ich erwarte, gut unterhalten zu werden, mit viel Bewegung in der Geschichte und, nun ja, wenn eben nicht immer einwandfrei logisch, dann ist dem eben so. Es muss nicht immer raffiniert und hochintellektuell sein, manchmal muss es einfach nur unterhalten (und manchmal, wenn auch nicht immer, tun ständige Wechslungen in der Handlung da eben einen guten Job).

Ich könnte an dieser Stelle wahrscheinlich noch einen ganzen Roman über diese sehr interessante Frage verfassen, aber muss mich an dieser Stelle stoppen, bevor es auswuchert. Vielen Dank auf jeden Fall an Torsten, ich hatte heute sehr viel Spaß bei der Beantwortung – und hoffe, ihr habt ebenfalls Spaß mit ihr. Wie immer freue ich mich auf eure Antworten, sei es in den Kommentaren oder eigenen Beiträgen. Habt eine gute Woche und vor allem auch einen guten Start in den Juli!

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