Die Montagsfrage #12 – Hat dich schon mal das Ende eines Buches wütend gemacht?

Scan (verschoben)

Es gibt Wochen, da muss man sich einfach mal was Gutes tun. Das, hier jetzt gerade, ist zum Beispiel so eine Woche. Der November ist ein furchtbar langer und regenintensiver Monat, für jemanden, der täglich mit dem Rad zur Uni muss. Und vorerst ist noch kein Ende in Sicht.

Deshalb freue ich mich, heute eine der Montagsfragen zu fragen, auf die ich mich schon seit Beginn der Montagsfragen freue (ich gebe zu, das war zu viel ’fragen’ in einem Satz, aber hey, ich hatte eine doofe Woche, es sei mir verziehen):

Hat dich schon mal das Ende eines Buches wütend gemacht?

Diese Frage basiert einzig und allein auf dieser Szene (Englisch) aus Silver Linings Playbook, in der Bradley Coopers Charakter einen Ernest Hemingway Roman liest und anschließend besagtes Buch durch ein Fenster schmeißt, weil ihn das Ende so wütend macht. Es wäre nicht übertrieben zu sagen, dass dies vielleicht eine meiner absoluten Film-Lieblingsszenen ist, einfach weil ich mich persönlich mit diesem Gefühl sehr gut identifizieren kann. Per se nicht bezüglich Ernest Hemingway (dazu habe ich, zugegeben, noch keines der aufregenderen Bücher von ihm gelesen), aber durchaus mit dem ein oder anderen Roman. (Ich empfehle wirklich die Szene aus Silver Linings Playbook anzusehen, falls sie euch noch nicht bekannt ist – sehr lustig. Hier noch mal der Link, ist leider nur auf Englisch, ich habe keine deutsche Version online gefunden.)

Die einfache Antwort auf diese Frage ist also erst einmal ein simples Ja. Ja, das Ende von so manch einem Buch hat mich wütend gemacht. Und ja, ich kann mich durchaus mit dem Gefühl identifizieren, manch einen Roman aus dem Fenster schmeißen zu wollen, da es wirklich frustrierende Enden gibt. (Natürlich werfe ich nicht wirklich Bücher durch mein Fenster, da ich a) keine Lust habe mein Fenster kaputt zu machen und b) an einer Hauptstraße wohne und das wirklich sehr unverantwortlich wäre. Ganz davon abgesehen, dass ein Buch bei meinen nicht vorhandenen Armmuskeln eventuell gar nicht durch mein Fenster fliegen, sondern einfach daran abprallen und mir bei meinem Glück zurück ins Gesicht klatschen würde, was wiederum dazu führen würde, dass ich mir meine Nase breche und anschließend furchtbare Schmerzen erleide, weil ich nicht mehr aufhören kann, zu lachen, weil ich mir dann auf die dümmst-mögliche Weise die Nase gebrochen hätte und na ja, ich stelle mir vor, es tut weh, zu lachen, wenn man eine gebrochene Nase hat. Aber ich weiche ab.)

Die etwas längere (aber auch wesentlich interessantere) Antwort auf die Frage ist natürlich, welche Bücher genau diese Ich-werf-dich-aus-dem-Fenster-Gedanken bei mir hervorgerufen haben. Zwei Bücher sind es, um ganz genau zu sein, obwohl es durchaus noch mehr Bücher gab, deren Enden mich auf einem etwas niedrigeren Level wütend gemacht haben (Der fünfte Teil von Harry Potter, zum Beispiel). Das erste Buch, das ich gern am Ende aus dem Fenster geworfen hätte, ist der dritte Teil von Tribute von Panem – das war einfach ein richtig frustrierendes Ende, während dem zu viele Charaktere das Zeitliche gesegnet haben, als dass mein dreizehnjähriges Ich es hätte ertragen können. Absolutes Fenster-Potenzial.

Das zweite Buch, das ich wirklich gern aus dem Fenster geworfen hätte, und das ist als Anekdote wesentlich lustiger als Tribute von Panem, war bei mir damals Der Schimmelreiter. Ein Buch, dessen Ende mich so wütend gemacht hat, dass ich immer noch wütend werde, wenn ich nur daran denke. Zusammengefasst: Alles läuft gut, alles würde weiter gut laufen, doch dann kommt das Ende. Wer Der Schimmelreiter nicht gelesen hat, versteht meinen Frust vielleicht nicht, aber es läuft ungefähr so: Genialer Junge, leider arm, aber eben genial, heiratet Tochter von reichem Deichherren, weil er eben genial ist, baut einen großen Deich, Deichbewohner sind komisch, Hauptcharakter wird trotzdem Deichherr, dann kommt Jahrhundertflut, Deichbewohner wollen neuen (tollen) Deich einreißen, damit der alte Deich sie halten kann, das ist aber eine dumme Idee, weshalb Hauptcharakter sie aufhalten will. So – und da wird es dann frustrierend – denn nicht nur der Hauptcharakter ist plötzlich auf dem blöden Deich und kämpft da um sein Leben, sondern seine gottverdammte Frau und ihr gottverdammtes geistig behindertes Kind (das Kind ist wirklich geistig behindert, das ist ein wichtiger Aspekt der Geschichte, aber dafür habe ich jetzt keine Zeit) kommen in einer Kutsche auf den Deich gefahren. In einer gottverdammten Kutsche. Die Mutter MIT DEM KIND. Und das während einer Sturmflut. Macht das Sinn? Nein, definitiv nicht. Werden sie von einer Welle erfasst und in die Nordsee gerissen? Natürlich werden sie das. Springt der Hauptcharakter daraufhin mit seinem Pferd hinterher? Natürlich. Kurzum: Alle sterben, Deich steht aber noch. Buch zu Ende. Muss ich dazu noch mehr sagen? Nein, eigentlich nicht. Ist nicht gut für meinen Blutdruck. Es war jedenfalls sehr frustrierend, gut, dass wir das auch mal geklärt hätten.

Aber wie sieht es bei euch aus? Habt ihr auch das ein oder andere Buchende auf dem Herzen, das euch so richtig wütend und/oder frustriert zurückgelassen hat? Teilt es bei der dieswöchentlichen Montagsfrage (aka Gruppentherapiestunde für Buchtraumata).

Ihr wollt euren Beitrag teilen? Um ihn verlinken zu lassen, kommentiert bitte mit einem Link unter diesen Post. Ich verlinke anschließend in chronologischer (Kommentar-)Reihenfolge. Das Banner darf natürlich kopiert werden. 

Noch nicht genug von der Montagsfrage? Hier geht es zur Montagsfrage der letzten Woche und hier zur Liste aller auf diesem Blog erschienenen Montagsfragen.

  1. Literaturblog von Nomadenseele
  2. Bücher wie Sterne
  3. Torsten’s Bücherecke
  4. Emma Escamilla
  5. Medienjournal
  6. wortmagieblog
  7. Der Büchernarr
  8. Aequitas et Veritas
  9. Andreas Kück Leselust
  10. Tempest
  11. Wordworld
  12. Corlys Lesewelt
  13. Marie’s Salon du Livre
  14. literaturgarten
  15. schriftweise
  16. Vanessas Literaturblog
  17. Pineapples Booknook
  18. Wortgestalten
  19. Buchpfote
  20. Lucinda im Wunderland 
  21. Kiras kleine Leseecke
  22. Herba

33 Gedanken zu “Die Montagsfrage #12 – Hat dich schon mal das Ende eines Buches wütend gemacht?

  1. Pingback: Montagsfrage #12: Hat dich schon mal das Ende eines Buches wütend gemacht? - Der Büchernarr

  2. Pingback: Montag. | Aequitas et Veritas

  3. Pingback: Montagsfrage # 35 | Tempest

  4. Pingback: Montagsfrage 131/ 11: Wütend auf ein Ende? | Corlys Lesewelt

  5. Hey Antonia,

    ohja, diese „Aus-dem-Fenster-Werf-Momente“ kenne ich nur zu gut! Ich würde da aber zwischen zwei Arten differenzieren, auf die mich ein Ende frustrieren und in den Wahnsinn treiben kann:
    Erstens: Das Ende ist einfach unglaublich schlecht gemacht, es fehlt die Hälfte, es ergeben sich riesige Logiklücken, alles geht viel zu schnell, die Wendung zum Guten (oder zum Schlechten) kommt unbegründet aus dem Nichts und man steht am Ende mit einem unguten Gefühl da und würde die Geschichte am liebsten umerzählen und einen richtigen Abschluss schaffen.
    Die andere Art von Ende, die Frustration und Wut hervorrufen kann sind die, die sie unsagbar gut gemacht sind und so schmerzhaft ans Herz gehen, da man sich unbedingt ein anderes Ende gewünscht hätte, insgeheim aber weiß, dass dieses fiese Ende eine gewisse Wahrheit und Genialität in sich birgt. Und das sind die wirklich ärgerlichen, frustrierenden, da man sich hier nicht einmal beschweren kann, weil es wirklich gut gemacht ist und den Nagel auf den Kopf trifft.

    Weiteres unter…
    https://w0rdw0rld.blogspot.com/2018/11/montagsfrage-191118.html

    Liebe Grüße und einen schönen Start in die Woche
    Sophia

    Gefällt 1 Person

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