Montagsfrage #16 – Literarische Adventskalender?

Scan (verschoben)

Noch genau eine Woche bis Weihnachten und zwei bis zum Ende des Jahres 2018. Abgesehen von ein bisschen Schnee gestern Nacht (bereits geschmolzen) und einer unfassbaren Menge an Lichterketten in der Innenstadt (sehr schön), fühlt es sich wirklich noch gar nicht danach an. Eine letzte Paper-Deadline gilt es zu halten und eine Woche Arbeit liegt noch vor mir, dann geht es in die Ferien — mehr oder weniger. Januar ist ja Klausurenmonat. Und außerdem ziehe ich um. Herrje, das neue Jahr hat noch nicht begonnen, da rennt die Zeit schon wieder weg.

Ja, die Zeit verflüchtigt sich. Genau wie — Achtung, mittelmäßige Überleitung — die noch geschlossenen Türchen meines Schokoladen-Adventskalenders. Was nur Sinn macht, wir haben ja gerade festgestellt, dass noch genau eine Woche bis Weihnachten bleibt. Wieso genau leite ich so auffällig unauffällig zur Thematik ’Adventskalender’? Tja, jene unter euch, die die Überschrift gelesen haben, werden vielleicht schon eins und eins zusammengezählt und kombiniert haben, dass es heute bei der Montagsfrage ganz und gar um literarische Adventskalender geht.

Literarische Adventskalender?

Diese zwei Worte machen natürlich eigentlich keine Frage (dazu fehlt – aus grammatikalischer Sicht allein – generell das Verb), aber sie setzten definitiv die Thematik fest. Ich habe es heute bewusst so vage gehalten, weil es eine ganze Menge Fragen gibt, die man unter dieser einen hier zusammenfassen könnte: ’Sind literarische Adventskalender notwendig?’ zum Beispiel, oder: ’Habt ihr einen literarischen Adventskalender?’, ’Was ist der literarische Adventskalender, den die Welt wirklich braucht?’ und ’Bin ich die einzige Person, die eine exponentielle Zunahme an literarischen Adventskalendern in Buchläden im Verlauf der letzten drei Jahre bemerkt hat? Wo kommt dieser Trend her? Wie viele Menschen kaufen literarische Adventskalender? Wieso denke ich so viel über literarische Adventskalender nach? Was ist hier los?’ — Literarische Adventskalender also zusammengefasst. Ein Thema, das für mich sehr viele Fragezeichen beinhaltet. Und das nicht nur, weil mich momentan alles fasziniert, das nicht mein Research Paper (Deadline Freitag) ist.

Ich habe mir vor einigen Jahren (drei oder vier, wenn ich mich nicht irre) einen literarischen Adventskalender mit Zitaten und Geschichten rund um Heinrich Heine zugelegt. Jeder, der mich kennt, weiß, I’m a sucker for Heine. Ich sehe also Heinrich Heine — vor allem in der Vorweihnachtszeit, wenn alle Anti-Konsum-Regeln schon Mitte Oktober über Bord gegangen sind — und ich kaufe. Heine Adventskalender also gekauft. Damals, Vorweihnachtszeit von 2014 (nagelt mich nicht drauf fest, aber ich glaube, es war 2014) und jedes Jahr vergesse ich, dass ich diesen Kalender besitze. Seit vier Jahren steht er jetzt schon in meinem Regal und ich gelobe mir jedes Jahr aufs Neue: Nächstes Jahr denke ich dran, nächstes Jahr füttere ich meinen Geist zur Vorweihnachtszeit. Er staubt nicht wieder ein Jahr lang im Regal ein.

Mit Schokolade passiert mir das natürlich nie. Die Schokolade im Adventskalender ist im Dezember das einzige, was mich Morgens aus dem Bett bewegt. Aber Heinrich Heine, so sehr ich ihn auch liebe, wird vehement vergessen. Ich bin ein sehr simpler Mensch zum Ende des Jahres hin. Ich esse Schokolade, ich schleife mich zur letzten Deadline durch und gelobe Besserung im nächsten Jahr. Literarische Adventskalender sind also, so toll sich die Idee im Buchladen auch anhört, nicht die beste Entscheidung — zumindest für mich persönlich. Natürlich lese ich im Dezember, aber es gibt meist so viel zu klären, dass ich nicht jeden Tag lese — und wenn ich dann doch mal Zeit habe, bitte, dann höre ich bestimmt nicht nach zwei Seiten auf, sondern gehe in die Vollen. Versteht das irgendjemand? Die unpraktischen Seiten, die mich seit Jahren von intellektueller Erfüllung mit meinem Heinrich Heine Adventskalender in der Vorweihnachtszeit abhalten? Namentlich: Bequemlichkeit und die Tatsache, dass Schokolade sehr angenehm ist?

Und doch sehe ich, wie bereits erwähnt, dass der Haufen mit weihnachtlichen Geschichten und Erzählungen (und eben auch besagten literarischen Adventskalendern) in den letzten Jahren immer mehr zugenommen haben. Gibt es also wirklich einen Mark dafür? Gibt es viele Erwachsene, die sich denken ’Hey, anstatt meines Schokoladen-Adventskalenders, lese ich dieses Jahr jeden Tag ein Zitat von Mark Twain?’ — das interessiert mich wirklich. Ist der literarische Adventskalender eine Ausgeburt der überhaupt zunehmenden Adventskalender-Manie — mit Tee-, über Wein-, über Kosmetik-Adventskalendern? Ist er die erwachsene Version des Playmobil-Adventskalenders? Und – viel wichtiger – ist er eine gute Alternative? (Ganz davon abgesehen: Wäre er eine gute Alternative, in Anbetracht der Tatsache, dass manch einer hier gar keinen Adventskalender hat, weil das eigentlich eher etwas für Kinder ist.)

Was ist also eure Meinung zum Thema ’Literarischer Adventskalender’? Yay or nay? Gut oder schlecht? Nur ein weiterer Trend oder gute Alternative zur Schokolade? Lasst es mich wissen — und habt eine gute Restwoche, bevor es erst einmal in die wohlverdienten Weihnachtsferien geht.

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Noch nicht genug von der Montagsfrage? Hier geht es zur Montagsfrage der letzten Woche und hier zur Liste aller auf diesem Blog erschienenen Montagsfragen.

  1. Emma Escamilla
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  20. Lucinda im Wunderland
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47 Gedanken zu “Montagsfrage #16 – Literarische Adventskalender?

  1. Huhu Antonia,

    ich finde die Frage heute fantastisch! Du hast dich selbst übertroffen. Ich wusste nicht, dass man sich über dieses Thema so viele Gedanken machen kann. 😉
    Dementsprechend habe ich mir heute auch richtig Mühe gegeben und einen langen Beitrag dazu verfasst, wie mein Verhältnis zu Adventskalendern aussieht und ob ich mir vorstellen könnte, einen literarischen Adventskalender bei mir einziehen zu lassen:

    Montagsfrage auf dem wortmagieblog
    Viele liebe Grüße,
    Elli

    P.S.: Lust auf eine ungewöhnliche Lesechallenge? Dann sattel dein Pferd, schärfe deine Kinge und schmier Brote für Unterwegs – Wortmagie’s makabre High Fantasy Challenge geht 2019 in die nächste Runde!

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    • Huhu Elli,

      danke für deine lieben Worte, das hat mir gestern wirklich den Tag versüßt — zumal ich mit dieser Montagsfrage gar nicht so sicher war, ob sie eher ins „gut“ oder „schlecht“-Spektrum rutscht, zumal sie etwas vage formuliert ist. Es freut mich also sehr, dass sie dir so gut gefällt 🙂

      Liebe Grüße,
      Antonia

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  2. Pingback: Montagsfrage. | Aequitas et Veritas

    • Hallo Kathi,

      danke, es freut mich, dass dir die Frage gefällt 🙂 Mir sind (obviously) schon einige literarische Adventskalender in Buchläden begegnet – aber vielleicht werde ich auch einfach nur aus irgendeinem unergründlichen Grund (tolle Wortwahl, Antonia, gar keine Wiederholung hier) von ihnen verfolgt. Vielleicht will das Universum mir etwas sagen. Zum Beispiel: „Hör auf, so viel Netflix zu schauen.“ – wer weiß 😀

      Liebe Grüße jedenfalls und einen schönen Rest-Advent,
      Antonia

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  3. Pingback: Montagsfrage #16: Literarische Adventskalender - Der Büchernarr

  4. Pingback: Montagsfrage # 39 | Tempest

    • Huhu,

      ich bin ganz deiner Meinung – das Jahr, in dem ich keinen Adventskalender von Mutti mehr bekomme, kauf ich mir definitiv selbst einen. Das ist allerdings eine recht deutsche Sache, stelle ich immer mehr fest. Mein italienischer Freund hat nicht so eine Adventskalender-Kultur (wird geändert, sobald wir zusammenziehen) und manchmal habe ich das Gefühl, in den Niederlanden ist es auch nicht so groß. Vielleicht irre ich mich, wer weiß, ich liebe Adventskalender jedenfalls heiß und innig ❤

      Liebe Grüße,
      Antonia

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      • Hi,
        freut mich! Ich bekomme auch immer Adventskalender von meiner Mutter, das Adventsbuch habe ich mir aber selbst gekauft.
        Ja, das sehe ich auch so. Das scheint eine deutsche Sache zu sein. Bei Amerikanern habe ich es beispielsweise auch überhaupt nicht mitbekommen oder gesehen.
        Liebe Grüße!

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  6. Pingback: Montagsfrage: Literarische Adventskalender? – Medienjournal

    • Huhu Wulf,

      meine Theorie ist ja, dass ich insgeheim von dieser Art von Adventskalendern verfolgt werde (es kann natürlich auch sein, dass ich einfach zu viel Zeit in Buchläden verbringe – das wäre sogar sehr plausibel). Ich habe tatsächlich schon seit einigen Jahren vor eine Weihnachtsgeschichte in Form eines literarischen Adventskalenders zu verfassen, bin aber jedes Jahr wieder zu beschäftigt vor Weihnachten, um endlich mal damit anzufangen. Vielleicht wird es ja 2019 was.

      Liebe Grüße,
      Antonia

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  7. Liebe Antonia,

    Ich kann mit dem Trend der literarischen Adventskalender nicht besonders viel anfangen, da ich einfach viel zu inkonsequent im Türchen öffnen bin, mache aber sehr gerne online bei Adventsaktionen von Blogs, Verlage oder Autoren mit, da man da oft auf spannende Neuentdeckungen stößt und nicht den Druck hat, jeden Tag unbedingt ein Türchen öffnen zu müssen und irgendwann nicht mehr hinterherzukommen. 😉
    Hier mein Beitrag:
    https://w0rdw0rld.blogspot.com/2018/12/montagsfrage-171218.html

    Liebe Grüße und eine schöne Zeit bis Weihnachten!
    Sophia

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