Die Montagsfrage #59 – Welches Buch ist eher unbekannt, sollte aber ein Klassiker sein?

Guten Morgen meine Lieben und auch diese Woche willkommen zurück zur Montagsfrage. Der NaNoWriMo (National Novel Writing Month — eine Aktion, die, für alle Schreibinteressierten, die noch nie davon gehört haben, durchaus eine Google-Suche wert ist) nimmt seinen Lauf und mein Buch wächst. Leider letzte Woche nicht jeden Tag mit 2,500 Wörtern, aber das lag an einigen Organisations-bedingten Ablenkungen vom Schreiben, auf die ich eventuell diese Woche noch etwas genauer in einem Niederländisch für Anfänger-Beitrag eingehen werde, sollte der NaNo mich nicht vollkommen einnehmen und bis Ende November wie ein Einsiedler leben lassen.

Aber gut, in diesem Beitrag soll es ja nun nicht um den NaNoWriMo und/oder um meine momentanen Lebensumbrüche gehen, sondern um die Montagsfrage. Diese Woche mit einem — man könnte fast sagen — Klassiker der Fragerunden-Fragen.

Welches Buch ist eher unbekannt, sollte aber ein Klassiker sein?

Ich möchte bei dieser Montagsfrage besonders auf das Prädikat „unbekannt“ hinweisen. Alles, das irgendwann einmal in einer Penguin Modern Classics oder Classics-Edition erschienen ist, zählt also aus Prinzip schon mal nicht. Die Montagsfrage heute versucht ein bisschen zum Kramen im eigenen Hinterstübchen anzuregen — und zwar nach Büchern, die entweder von bekannten Autoren sind, selbst aber kaum gelesen werden, oder von einem vollkommen unbekannten Autor, aber ein absoluter Schatz sind. Heute geht es also um die Geheimtipps. Es spielt dabei übrigens keine Rolle, ob das Buch vor einem Jahr oder vor dreihundert Jahren veröffentlicht wurde, ob es Fiction oder Non-Fiction ist, Fantasy oder Sci-Fi, Thriller, Krimi oder Reisetagebuch ist — alles, was eurer Meinung ein Klassiker sein sollte, ist erlaubt. (Falls es einige von euch noch nicht mitbekommen haben, bin ich sehr offen für eure Interpretationen meiner Montagsfrage. Es wird also niemandem der Kopf abgerissen, wenn meine Vorstellung eines Klassikers nicht mit eurer übereinstimmt — wenn dem so wäre, müsste ich ja keine Fragerunde veranstalten. Also wirklich.)

Es gibt einige mehr oder minder bekannte Bücher, die ich über die Jahre gelesen habe und von denen ich dachte „Wow, das ist ein Buch, das niemand vergessen sollte und dass eigentlich mehr Leute lesen müssten.“ (Und ja, ich denke natürlich in voll ausformulierten Sätzen wie jeder angehende Autor und nicht meistens in einem einzelnen Grunzlaut (Uuuuh) und einem damit verbundenen Gefühl. Offensichtlich.)

Eines der Bücher, von denen ich wirklich etwas bedauere, dass es nicht mehr gelesen wird (und das, ganz davon abgesehen, in Buchhandlungen mindestens dreier Länder, die ich aufgesucht habe, unauffindbar war, weswegen ich es bestellen musste), ist Lenny Bruces How to talk dirty and influence people.

Wie ich bereits lang und breit in früheren Montagsfragen erzählt habe, bin ich seit The Marvelous Mrs Maisel (die neuste Serie aus Amy Sherman-Palladinos Feder und deshalb selbsterklärend großartig) sehr interessiert an Lenny Bruce. Es hat allerdings erst eine Amazon Prime Serie aus den späten 2010ern gebraucht, um mich überhaupt mit Lenny Bruce bekannt zu machen. Und das darf nicht sein! Vor allem nicht, wenn seine Autobiographie so ein Spaß zu lesen ist.

Nun gut, ich komme nicht aus der Stand Up Comedy-Szene und deshalb ist es durchaus möglich, dass, solltet ihr euch mehr und schon länger dafür interessieren als ich, Lenny Bruce zumindest ein bekanntes Gesicht ist. Seie Autobiographie ist allerdings kriminell unterbekannt. Und das vollkommen zu unrecht! Diese Autobiographie sollte meiner Meinung nach ein absoluter Klassiker sein. Nicht nur, weil sie wahnsinnig unterhaltsam ist. Nicht nur, weil sie gleichzeitig auch sehr klug ist. Sondern auch, weil sie einen gewissen Zeitgeist der 50er und 60er Jahre einfängt und vor allem einen Bericht zur Meinungsfreiheit in der Comedy ablegt, der einfach wichtig ist.

Lenny Bruce ist ein kleiner Diamant, der definitiv auf literarischer Ebene ein bisschen durchs Raster fällt und den ich wirklich empfehlen kann. (Außerdem, falls das hilft, finde ich das Cover der neusten Ausgabe des Buches wirklich sehr schick. Hat zwar nichts mit dem Inhalt zu tun, aber wenn es euch ästhetisch etwas gibt, dann bitte.)

How to talk dirty and influence people ist natürlich bei Weitem nicht das einzige Buch, das ich im Verlauf meines Lebens als Klassiker-Kandidaten gehandelt hätte. Spontan fällt mir beispielsweise noch Der Märchenerzähler von Antonia Michaelis ein, das für viele Jahre meiner frühen Jugend mein absolutes Lieblingsbuch war. Ich muss allerdings zugeben, dass ich es, wenn ich mich korrekt erinnere, gelesen habe als es gerade neu erschienen war und deshalb seit 2011 keinen Blick mehr hineingeworfen habe. Um es also an dieser Stelle guten Gewissens als modernen Klassiker auszurufen, müsste ich es dringend noch einmal lesen. Mein dreizehnjähriges Ich war jedenfalls ziemlich beeindruckt. Soviel lässt sich mit Sicherheit sagen. Und ich würde, Klassiker hin oder her, auch heute noch meine Hand dafür ins Feuer legen, dass es ein ausgezeichnetes Jugendbuch ist.

Soweit so gut — dies waren (zumindest vorerst, wir werden sehen, welche Bücher die Zeit noch bringt) meine mehr oder weniger „Geheimtipps“ und Bücher, von denen ich mir wünschte, mehr Leute würden sie lesen und über die Generationen hinweg als Klassiker weitergeben. Aber wie sieht es bei euch aus? Welches eher unbekannte Buch wäre euer persönlicher Klassiker? Lasst es mich auch diese Woche wieder unten in den Kommentaren wissen und verlinkt wie immer euren eigenen Beitrag!

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Noch nicht genug von der Montagsfrage? Hier geht es zur Montagsfrage der letzten Woche und hier zur Liste aller auf diesem Blog erschienenen Montagsfragen.

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