Die Montagsfrage #125 – Hört ihr Stimmen oder seht ihr Bilder beim Lesen? (Nerd mit Nadel)

Hallo meine Lieben und willkommen zurück zu einer neuen Woche und – ihr ahnt es bereits – einer neuen Montagsfrage. Ich habe die letzte Woche tatsächlich überstanden (mehr oder weniger, es war wirklich noch einmal viel los) und kann jetzt endlich (endlich!) den Sommer so richtig genießen. Alle Klausuren des Jahres sind bestanden, alle Deadlines (zumindest erst einmal) erledigt. Eine Förderung für ein Forschungsprojekt, das ich Anfang Juni eingereicht hatte, wurde letzte Woche auch bestätigt und ist damit ebenfalls bis September, wenn es los geht, none of my concern.

Seit zwei Tagen bin ich also nun im Urlaub, heute den ersten Tag voll – und damit „so richtig“, wenn man will – und versuche mental jetzt auf den Zustand herunterzukommen, nichts zu tun zu haben. Ich weiß nicht, ob ihr das nachvollziehen könnt, aber wenn ich über lange Zeit sehr beschäftigt war, ist es ein komisches (kein schlechtes, wohlbemerkt, aber definitiv ein komisches) Gefühl, nichts mehr „abarbeiten“ zu müssen. Aber ich verlasse mich mal darauf, dass sich dieses komische Gefühl in ein paar Tagen vollkommen eingependelt hat und ich hier Mittagsschläfchen halte und Hobbys nachgehe, als hätte ich nie etwas anderes gemacht 😛

Im Zuge meines neu gefundenen Urlaub-Feelings habe ich nun auch das erste Mal seit Monaten wieder ein Buch in der Hand, das nichts mit der Uni und/oder der Arbeit zu tun hat. Passend dazu beschäftigt sich die heutige Montagsfrage ­– netterweise vorgeschlagen von Nerd mit Nadel – damit, wie das Lesen denn eigentlich so abläuft. Was, ich spreche da aus eigener Beantwortungs-Erfahrung, erst einmal gar nicht so offensichtlich ist, wie man vielleicht immer gedacht hat. Aber seht selbst:

Hört ihr Stimmen oder seht ihr Bilder beim Lesen? (Nerd mit Nadel)

Ja, dachte ich erst. Bestimmt sehe ich Bilder, wenn ich lese. Ganz bestimmt. Doch desto mehr ich so wirklich darüber nachgedacht habe, desto unsicherer war ich plötzlich. Höre ich wirklich keine Stimmen, wenn ich lese? Oder höre ich vielleicht ausschließlich Stimmen, wenn ich lese? Oder Stimmen und Bilder? Weder das eine noch das andere? Kann ich überhaupt lesen?  Was sind Worte? Kann ich schreiben? Wieso hört sich plötzlich alles, was ich schreibe, komisch an. Normalerweise hört sich das, was ich schreibe, in meinem Kopf gar nicht an – denke ich jedenfalls. Oder ist da eine Stimme, die mir nie aufgefallen ist? Sollte da eine Stimme sein? Ist die Stimme jetzt erst gekommen, weil ich darüber nachdenke, ob da Stimmen oder Bilder sind, wenn ich lese. Warte. Wie denke ich eigentlich.

Es war also, ganz gelinde gesagt, ein recht nervenaufreibender Prozess der Überlegung über das Lesen (und Schreiben und über die Überlegungen selbst), der ausschließlich mit empirischen Mitteln entknotet werden konnte. Statt also weiter über die Bilder oder die Stimme(n), die man so beim lesen hört (oder eben nicht) nachzudenken, habe ich einfach mein momentanes Buch (Kafka am Strand von Haruki Murakami – will ich schon seit Jahren lesen) in die Hand genommen und mich probeweise an zwei Kapiteln versucht.

Das Resultat dieses Mini-Experiments zu Beginn des Sommerurlaubs hat folgendes hervorgebracht: Ja, ich höre tatsächlich eine „Lesestimme“ – nicht meine eigene, soweit ich das beurteilen kann, aber eine Stimme, die Wort für Wort in meinem Kopf vorliest, was da auf den Seiten steht. Aber ab und an poppt ein Bild, ein kurzer Clip – einfach die visuelle Form einer Szene ebenfalls in meinen Kopf.

Ich sehe also nicht wirklich einen ganzen „Film“, wenn ich lese, sondern eine Art Momentaufnahme, die so schnell verschwindet, wie sie wieder aufgetaucht ist. Das passiert vor allem, wenn ich eine bestimmte Beschreibung lese, die sich aus irgendeinem Grund besonders eingebrannt hat (z.B. die Handbewegung eines Charakters, ein Lächeln, eine Szenenbeschreibung etc.). Es ist nie ein volles Bild, sondern wirklich immer nur ein gewisser Ausschnitt (was, nur so nebenbei bemerkt, auch erklärt, wieso es mir grundsätzlich so schwer fällt das Aussehen von Buchcharakteren vorzustellen).

 Ich habe keine Ahnung, ob ihr das nachvollziehen könnt oder ob ihr kopftechnisch ganz anders lest als ich. Aber umso spannender war die heutige Frage damit. Ich hoffe, ihr habt ebenfalls Freude dabei, sie zu beantworten (und dreht keine endlosen Gedankenkreisel wie ich :P) und hinterlasst eure eigenen Lese-Einsichten in den Kommentaren. Habt in jedem Fall einen guten Start in die Woche – und schmerzt bei den momentanen Temperaturen bitte nicht einfach weg (es wäre immerhin sehr verlockend – wenn physisch möglich – bei 30 Grad).

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