Die Montagsfrage #128 – Wie gehst du damit um, wenn sich herausstellt, dass ein Autor, dessen Bücher du sehr schätzt, Auffassungen äußert, mit denen du nicht übereinstimmst? (Aequitas et Veritas)

Hallo meine Lieben und willkommen zurück zu einer neuen Woche und damit – ihr ahnt es bereits – einer neuen Montagsfrage. Während die Temperaturen an meinem momentanen Aufenthaltsort nur so in die Höhe steigen und ich jetzt ohne Sonnenschutzfaktor 50+ nicht mehr vor die Tür treten kann, habe ich mich heute auf den Weg zu einem kleinen Kurztrip (lies: Besuch einer Freundin aufgemacht). Inklusive offiziell angemeldetem Urlaub von der Magazin-Arbeit und ohne Uni im Hinterkopf. Die nächste Woche über bin ich also (zumindest ein ganz kleines bisschen) auf Achse und freu mich ehrlich gesagt schon sehr darauf.

Aufgrund dessen halte ich die Einleitung der heutigen Montagsfrage ein bisschen kürzer (ganz davon abgesehen, dass hier sowieso aufgrund der Montagsfrage reingeschaut wird und nicht aufgrund meiner Einleitungen) und danke an dieser Stelle dem Frage-Vorschläger der Woche: Aequitas et Veritas.

Wie gehst du damit um, wenn sich herausstellt, dass ein Autor, dessen Bücher du sehr schätzt, Auffassungen äußert, mit denen du nicht übereinstimmst? (Aequitas et Veritas)

Ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich diese Frage bewusst so lang aufgeschoben habe. Zum einen, weil ich sie sehr interessant finde und zum anderen, weil es eine schwierige Frage ist, über die ich die letzten paar Monate generell etwas intensiver nachdenken musste. (Vielleicht geht es auch nur mir so bezüglich des Fragen-Schwierigkeitsgrades und keiner von euch ist auch nur ansatzweise so dramatisch bezüglich etwas schwierigerer Autoren. Aber wer weiß, vielleicht geht es ja einigen heute wie mir und die Frage bringt euch durchaus etwas ins Grübeln – oder zur Verzweiflung, das kann natürlich auch nicht ausgeschlossen werden.)

Wie mehr oder weniger aufmerksame Leser dieses Blogs bereits wissen, bin ich ein ziemlich großer Harry Potter Fan. Wobei ziemlich groß wohl die Untertreibung der Woche ist. Und wie viele aufmerksame Social Media-Nutzer, vor allem wenn unterwegs in der Buchwelt (und das seid ihr ja alle), ebenfalls wissen, ist J.K. Rowling bereits seit geraumer Zeit in etwas heißeren Gewässern unterwegs. Nun, ich hatte bereits vor den öffentlichen Kontroversen um J.K. Rowling (die Person) Probleme mit J.K. Rowling (der Autorin). Natürlich nicht persönlich, ich kenne die Frau schließlich nicht, aber ich hatte durchaus Social-Media-Harry-Potter-Technisch die Nase voll von ihr. (Ihr dürft euch natürlich trotzdem gern vorstellen, wie ich mich am Wochenende ausschließlich bewaffnet mit einem Oxford English Dictionary in düsteren Seitengassen mit J.K. Rowling duelliere, wenn das euren Tag etwas unterhaltsamer machen sollte. Aber weiter im Text.)

Mir ist also nicht nur bewusst geworden, dass die Buchreihe meiner Kindheit, in die ich mich vor vielen Jahren so verliebt hatte, nicht wirklich perfekt war, mir ist auch die Autorin besagter Buchreihe schon länger auf den Kranz gegangen, weil sie sich das (so kommt es jedenfalls oft rüber) nicht eingestehen konnte. Ich bin selbst manchmal ein recht störrischer Mensch, weshalb ich grundsätzlich ein gewisses Verständnis für andere störrische Menschen besitze, aber Frau (ich) besitzt auch nur einen gewissen Grad an Toleranz für Menschen, die sich Fehler (oder auch einfach nur Imperfektion) nicht eingestehen können. Und tja, nun kommen noch die Kontroversen mit der Trans-Community hinzu und letztendlich frage ich mich da schon: Wie genau stehe ich jetzt eigentlich zu der Buchreihe, die ich (obwohl sie nicht perfekt ist) so liebe, auch wenn ich mit so vielen Punkten der Autorin einfach nicht übereinstimme? 

Ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich zu Beginn der Kontroversen bezüglich J.K. Rowling als private Person durchaus einen Hänger mit Harry Potter hatte. Was für mich nun nicht unbedingt ein wahnsinnig großes Problem darstellt, allerdings schon etwas schade ist. Die Buchreihe hat meine Kindheit und Jugend begleitet und mich vor einigen Jahren durch recht schwierige Zeiten gebracht. Die Harry Potter-Bücher sind einfach meine Comfort-Bücher – und diese literarische Kuscheldecke weggezogen bekommen, weil die Autorin nicht nur unfähig ist, den Plot ihrer eigenen Buchreihe gut sein zu lassen und sie stattdessen mit immer wieder neuen Aussagen und Projekten durch den Morast schleift, sondern auch ein bisschen schwierig zu sein scheint, was gewisse Themen angeht,  das ist schon (zumindest als First-World-Problem) nicht so schön.

Hätte ich diese Frage also vor einigen Monaten beantwortet, hätte ich schreiben müssen: Ich dachte nie, dass es so weit kommt, aber ich habe wirklich nicht mehr so viel Freude an der Buchreihe wie früher und möchte die Bücher momentan eigentlich auch gar nicht mehr lesen, weil ich immer die Autorin im Hinterkopf habe. Allerdings habe ich diese Frage natürlich nicht vor ein paar Monaten beantwortet, sondern ich beantworte sie jetzt. Und meine Antwort (Stand Juli 2021) sieht da schon ein wenig anders aus: Man kann Kunst und Künstler nie vollkommen voneinander trennen, weshalb ich mit Harry Potter immer etwas härter ins Gericht gehen werde als ich das tun würde, würde ich mit den subjektiven Meinungen des Autors (die natürlich auf eine Geschichte – bewusst oder unterbewusst – reflektieren) übereinstimmen. Aber: Kunst ist eben nicht nur Künstler, sondern manchmal (und in diesem Fall ganz besonders) in ihrer Bedeutung sehr eng mit wichtigen Teilen meines Lebens verbunden.

Ich bin mittlerweile der Perspektive entwachsen, dass Harry Potter eine perfekte Buchreihe ist. Ich bin allerdings auch der Perspektive entwachsen, dass die Autorin der Buchreihe vollkommen darüber bestimmt, wie ich eine Buchreihe interpretiere und was sie für mich bedeutet. Harry Potter ist ein Teil meiner Kindheit und gerade deshalb werde ich wohl immer zu den Büchern greifen, wenn es mir schlecht geht (oder auch wenn es mir gut geht und ich mich einfach nach ein bisschen Nostalgie fühle). Was nicht heißt, dass ich den Büchern gegenüber nicht kritisch sein kann (und bin) – sie sind nur so fester Bestandteil meines Lebens, dass ihre Bedeutung für mich über ihren bloßen Inhalt hinausgehen.

Das mag vielleicht für einige eine nicht gerade zufrieden-stellende Antwort sein. Das ist sie, weil es keine sonderlich radikale Antwort ist. Ich bin nicht dafür, Kunst, die jemandem aus persönlichen Gründen viel bedeutet, radikal abzuschreiben, wenn sich später herausstellt, dass der Künstler auf die ein oder andere Art oder Weise problematisch ist. Ich bin allerdings auch nicht dafür, Kunst komplett vom Künstler zu trennen und nicht kritisch mit Werken umzugehen, einfach weil sie jemandem viel bedeuten. Momentan gehe ich also einen Mittelweg – vielleicht für länger, vielleicht sehe ich diese Sache in einigen Jahren ganz anders. Das behalte ich mir vor, einfach weil alles andere bedeuten würde, fest in seinen Meinungen eingefahren zu sein und sich nicht im Geringsten für Dialoge und Kritik öffnen zu wollen – und das ist ja gerade einer der Punkte, den ich an J.K. Rowling oft genug kritisiere. (Und, in diesem Sinne, an anderen Leuten, die dasselbe Problem haben, ebenfalls.) 

Ich möchte an dieser Stelle allerdings auch anmerken, dass das nicht ebenfalls heißt, dass ich mich grundsätzlich auf jede einzelne Diskussion zu jedem einzelnen Thema einlasse. Ich bin vollkommen dafür, offene Dialoge zu haben, kritisch zu lesen, mehr zu lernen und sich einzugestehen, dass man im Unrecht war, wenn man neue Informationen über bestimmte Dinge erhält. Aber wenn ich das sieben Tage die Woche mache, drehe ich durch. Bei kontroverseren Themen höre ich ehrlich gesagt lieber zu als zu sprechen – und revidiere meine Meinung dann im Stillen selbst, weil ich grundsätzlich denke, dass man so wesentlich mehr über sich selbst und die Welt lernen kann als wenn man permanent redet. Jedenfalls halte ich es vermehrt so, desto älter ich werde. Und das heißt einiges bei mir. Jeder, der mich privat kennt, weiß, dass ich eine notorisch gesprächige Person bin.

Aber wie seht ihr das? Gehen Kontroversen um Autoren vollkommen an euch vorbei, wenn sie Bücher betreffen, die euch viel bedeuten? Oder wird bei euch eiskalt abgeschrieben? Ich freue mich schon sehr auf eure Antworten und danke an dieser Stelle Aequitas et Veritas noch einmal herzlich für den Fragenvorschlag.

(Im Übrigen, bevor ich es vergesse: Ich weiß, dass einige der Verlinkungen der letzten Wochen noch fehlen. Ich bin momentan in einer etwas schwierigeren Internet-Situation um ehrlich zu sein – und werde das wohl noch bis Ende Juli bleiben. Es wird nachgeholt, sobald ich wieder unbegrenztes WLAN habe.)

Ihr wollt euren Beitrag teilen? Um ihn verlinken zu lassen, kommentiert bitte mit einem Link unter diesen Post. Ich verlinke anschließend in chronologischer (Kommentar-)Reihenfolge. Das Banner darf natürlich kopiert werden. 

Noch nicht genug von der Montagsfrage? Hier geht es zur Montagsfrage der letzten Woche und hier zur Liste aller auf diesem Blog erschienenen Montagsfragen.