Die Montagsfrage #127 – Welches Buch, das fast alle Welt toll findet und lobt, findest du selbst grottenschlecht und enttäuschend? (Bücher wie Sterne)

Hallo meine Lieben und willkommen zurück zu einer weiteren Woche und – ihr erahnt es bereits – einer weiteren Montagsfrage. (Jetzt hätte ich doch eben tatsächlich fast zu einer weiteren Montagsfrage und – ihr erahnt es bereits – weiteren Woche geschrieben. Man merkt, dass hier mittlerweile wirklich der Urlaubs-Spirit eingekehrt ist, die kognitiven Fähigkeiten schleifen ein bisschen, wenn ich schon meinen eigenen Montagsfragen-Catch-Phrase-Starter umdrehe.) (In diesem Sinne: Solltet ihr heute irgendwelche Rechtschreib- und Grammatikfehler im Beitrag entdecken – und ich bin sicher, es ließen sich da so einige finden, wenn man ein geschulteres Auge hat – dann wisst ihr Bescheid. Wir schieben es auf den Urlaubs-Modus und nicht auf die Tatsache, dass meine Deutsch-Kenntnisse seit dem Abitur ein bisschen nachgelassen haben. Das ist ein bisschen traurig, aber leider auch die Wahrheit. Englisch ist dafür besser geworden.) (Und da sind wir schon bei der dritten Klammer im ersten Absatz – ich komme gleich zur Sache. Ist ja schon gut.)

Wir bewegen uns (möchte ich an dieser Stelle gern mal erwähnen) tatsächlich langsam auf die finalen vorgeschlagenen Montagsfragen zu und damit sind es (einschließlich der heutigen Frage) tatsächlich nur noch drei Fragen, die zum 100. Fragen-Jubiläum gestellt oder mir danach anderweitig zugesandt wurden, bevor ich wieder damit beginne, meine eigene Fragenliste abzuarbeiten. Und selbst wenn wir an dieser Stelle tatsächlich noch ein paar Fragen übrig haben, möchte ich diese Erkenntnis doch dazu nutzen, noch einmal zu sagen: Ich hatte bisher sehr viel Spaß umgedreht mal die eingeschickten Fragen zu beantworten (und hoffe, ihr hattet ebenfalls Freude mit ihnen), ein Teil von mir freut sich nun allerdings auch schon wieder vollkommen in den Fragesteller-Modus überzugehen. Heute heißt es aber noch einmal: Gastfragenstellung. Die heutige Montagsfrage wurde mir vor einigen Wochen per E-Mail von Jay von Bücher wie Sterne zugeschickt und lautet:

Welches Buch, das fast alle Welt toll findet und lobt, findest du selbst grottenschlecht und enttäuschend? (Bücher wie Sterne)

Oh, da musste ich tatsächlich ein bisschen drüber nachdenken. Es gibt natürlich durchaus Bücher, die mir nicht unbedingt so gut gefallen haben wie den generellen Massen, und ja, absolut, gab es bestimmt auch schon so einige, die mich etwas enttäuscht haben. Aber grottenschlecht ist da schon ein recht extremes Adjektiv. Wie aufmerksame Leser der Montagsfrage wissen, gibt es nicht allzu viele Bücher, die ich wirklich grottenschlecht finde und selbst dann ist Mit Jeans in die Steinzeit auch einfach objektiv betrachtet ein furchtbares Buch. Die verwirrten Leute, die der Lektüre also mehr als einen Stern auf jedweder Bewertungsseite gegeben haben, sind also definitiv nicht Teil der Masse und ich nicht die einzige Person auf der Kritiker-Barrikade. (Ein bisschen wäre es allerdings schon lustig, wenn es eine Kritiker-Barrikade allein für Mit Jeans in die Steinzeit gäbe. Wenn ein Buch eine eigene Hate-Seite verdient hätte, dann ja wohl dieses. Ich befürchte allerdings tatsächlich, dass nicht sonderlich viele Menschen – abgesehen von mir – einen solch intensiven Hass gegen Mit Jeans in die Steinzeit hegen. Und ich kann mich nicht schon wieder über das Buch aufregen. Eines Tages, ganz fest versprochen, lade ich mir irgendwo eine illegale PDF runter erwerbe ich es käuflich und vollkommen legal und rezensiere es, aber bis dahin findet ihr meinen vollständigen Rant bei einer früheren Montagsfrage hier.)

Beliebte Bücher, die ich ein bisschen enttäuschend fand, ist da natürlich schon eine andere Sache. Ich bin generell kein sehr bitterer Mensch (na ja, vielleicht manchmal – aber nicht, was Bücher angeht!), aber es kommt tatsächlich vor, dass selbst ich einem beliebten Buch nichts abgewinnen kann. Momentan, um ganz ehrlich zu sein, lese ich ein von der Kritik gelobtes und den Massen geliebtes Buch, in das ich bis jetzt noch nicht so wirklich reingekommen bin – und das mich, wenn ich ganz ehrlich sein soll, bisher etwas enttäuscht hat. (Vor allem, weil ich mir sehr viel von diesem Buch erwartet habe.)

Ich mache mir an dieser Stelle wahrscheinlich nicht sonderlich viele Freunde, aber das Buch, das ich momentan lese und dessen Hype ich bisher leider vollkommen überzogen finde ist Kafka am Strand von Haruki Murakami. So, bevor jetzt jemand die Zündhölzer holt und den Scheiterhaufen aufbaut, sollte ich anmerken, dass ich wirklich die letzte Person bin, die von Kafka am Strand enttäuscht sein will. Ganz im Gegenteil. Es war der erste Murakami, den ich je gekauft habe. Das Buch steht schon wahnsinnig lang auf meiner Liste. Meine Mama mag das Buch (und hat mir die deutsche Ausgabe, die ich gerade lese, geschenkt). Vor einigen Monaten habe ich Von Beruf Schriftsteller von Murakami gelesen und fand seine Perspektive genau das, was ich mir von einer Schriftsteller-Autobiographie erhoffe. Ich möchte, dass Kafka am Strand eines meiner absoluten Lieblingsbücher wird und der super Auftakt meines Lesesommers ist. Aber wenn ich an dieser Stelle etwas Selbstreflexion betreibe, wirklich in mich hinein gehe und mich frage: „Was würdest du über dieses Buch denken, wäre es kein Murakami?“, dann ist die Antwort leider: Meh. Nicht das Schlechteste, was ich je gelesen habe, aber den Hype bisher einfach nicht wert.

Fairerweise sollte ich sagen, dass ich momentan auf Seite 239 des Buches bin, also noch mehr als die Hälfte der Geschichte vor mir habe. Deshalb ist meine Meinung definitiv noch nicht final und ich behalte mir vor, vor dem Auslesen des Buches mit ihr noch einmal eine 180-Grad-Wendung zu machen. Aber die letzten paar Seiten dieser 239 bisher Gelesenen waren tatsächlich die ersten, bei denen ich dachte: Okay, jetzt bin ich dran. Jetzt ist mein Interesse geweckt und ich will wirklich wissen, wie es weitergeht. Davor? Nicht so wirklich. Und wie gesagt, wäre es kein Murakami und ich würde nicht so gern mehr in diesem Buch sehen wollen, als da vielleicht für mich ist, wäre ich bisher nicht so geduldig gewesen. Es tut mir leid, meine Freunde, aber bei jedem anderen Schriftsteller hätte ich an dieser Stelle gesagt: Ja, wir verstehen, dass du gern beschreibst, aber ist gut jetzt. Man muss es nicht übertreiben mit den Adjektiven. 

Und, wo wir schon dabei sind, ich hätte an dieser Stelle ebenfalls bereits schon lang gesagt: Ja, der Hauptcharakter ist 15, ich weiß wie Hormone funktionieren, aber jetzt schraub es an dieser Stelle bitte mal runter, jeder Fanfiction-Autor, der so viele Penis- und Masturbations-Referenzen macht, bekäme an dieser Stelle das Prädikat trashy. Ganz davon abgesehen, dass keine der weiblichen (und kaum einer der männlichen, wenn ich ganz ehrlich sein soll) Hauptcharaktere mehr als ein recht flaches Klischee ist. Wo sind die wirklich interessanten Charaktere? (Das gilt natürlich nicht für alle Charaktere im Buch! Ich mag, dass Kafka einen toxischen Fantasie-Freund hat – hat einer meiner Charaktere auch! – und bin gespannt, wo das noch hingeht und Johnny Walker fand ich auch interessant, aber der Rest bisher? Eher nicht. Nur ein bisschen pretentious. Und ja, ich weiß, dass ich das gerade Halb-Deutsch-Halb-Englisch gesagt habe und das durchaus auch als pretentious gewertet werden könnte, aber ich versuche nicht schlauer zu sein als ich bin, mir fällt nur gerade nicht die Übersetzung ein.)

Ich möchte das Buch an dieser Stelle wirklich nicht verreißen. Es ist kein schlechtes Buch – jedenfalls bisher nicht. Ich mag, wie Murakami die Geschichte entwickelt (aus mehreren Perspektiven, mit mehreren Stimmen, bei denen man weiß, dass sie irgendetwas miteinander zu tun haben müssen, aber man lang braucht, bis man versteht, wie genau sie etwas miteinander zu tun haben). Aber im Anbetracht des Hypes, den das Buch mit sich zieht, und vor allem in Anbetracht seines Statuses als modernen Klassiker, bin ich an dieser Stelle tatsächlich durchaus etwas enttäuscht.

Das kann natürlich daran liegen, dass ich noch nicht ganz durch bin. Wie gesagt, das letzte Kapitel hat mich tatsächlich doch ein bisschen gereizt. Vielleicht liegt also der wirklich interessante Teil des Buch noch vor mir und ich muss mich ganz furchtbar korrigieren, wenn wir uns das nächste Mal bezüglich des Buches sprechen. Es könnte auch daran liegen, dass magischer Realismus einfach nicht mein Genre ist, so gern ich auch damit warm werden will – und Murakami damit nie ein Autor werden wird, mit dem ich so wirklich auf einer Wellenlänge bin. Oder, das ist natürlich ebenfalls eine Möglichkeit, ich habe Recht und Kafka am Strand verdient den Hype, den es bekommt nicht ganz.

Es würde mich wirklich interessieren, was ihr dazu denkt (erst einmal natürlich zu Kafka am Strand, aber auch ganz im Allgemeinen zur heutigen Montagsfrage). Ich freue mich wie immer sehr auf eure Antworten in den Kommentaren und hoffe, ihr habt einen guten Start in die Woche! Jay danke ich an dieser Stelle noch einmal ganz herzlich für seine Frage – ich hoffe, ihr habt mindestens genauso viel Freude daran, sie zu beantworten wie ich.

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